Rettet das Spiel – Weil Leben mehr als Funktionieren ist

Gerald Hüther und Christoph Quarch plädieren für die Wiederentdeckung des Spiels: für mehr Kreativität und Lebensfreude in Familie, Partnerschaft und Beruf. Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Was Schiller einst dachte, bestätigt heute die Neurowissenschaft: Im Spiel entfalten Menschen ihre Potenziale, beim Spiel erfahren sie Lebendigkeit. Doch das Spiel ist bedroht – durch seine Kommerzialisierung ebenso wie durch suchterzeugende Online-Spiele. Der Hirnforscher Gerald Hüther und der Philosoph Christoph Quarch wollen sich damit nicht abfinden. Mehr über das Buch und Leseproben

Gemeinsames Lernen: Erkenntnisse der Hirnforschung – Gespräch mit Gerald Hüther

„Warum Konkurrenz und Druck bei Innovationen die Pest sein können“
Als weiteres Thema widmen wir uns dem Lernen. Wir erörtern Thesen aus seinem jüngsten Buch,
“Mit Freude lernen – ein Leben lang.“ Es sei „grottenfalsch“ was man bisher angenommen habe,
so sei der Prozess des Lernens überhaupt nicht zwingend an ein Gehirn gebunden.

Das Lernen sei nicht vom Leben zu trennen, mit der bitteren Konsequenz, dass die bisherigen Einrichtungen zum Lernen –
wie z.B. Schulen – eben nicht geeignet sein, die Lust am Lernen zu fördern. Der Schüler müsse sich vielmehr als Gestalter des eigenen Lernprozesses wahrnehmen können. Das hat Konsequenzen auch für den Erwachsenen, damit auch die Führungskraft. Hier seien Lerngemeinschaften gefordert, um die jeweils eigene Lernfreude wieder zu entdecken. Lernen geschehe, so Hüther, immer in Co-Settings. Zum Gespräch

 

G. Hüther: Brainwash – Innovation beginnt im Kopf

Die Globalisierung hat die Welt, in der Unternehmen operieren, immer größer und damit auch unüberschaubarer gemacht. Und mit der Digitalisierung ist alles, was in dieser Welt geschieht, schneller und effizienter geworden. Mitarbeiter und Führungskräfte erleben das als wachsenden Leistungs- und Wettbewerbsdruck bei gleichzeitig zunehmender Unsicherheit.
Die Arbeitsbelastung wächst, das Familienleben leidet, die Forderung nach größerer Flexibilität und Veränderungs-bereitschaft kollidiert mit dem Streben nach einer ausgeglichenen Work-Life-Balance.
Zum Artikel: brainwash_innovation-beginnt-im-kopf
Erschienen im: Deloitte Corporate Governance Forum 1/2016

Die smarte Diktatur – Der Angriff auf unsere Freiheit

Unsere Gesellschaft verändert sich radikal, aber fast unsichtbar. Wir steuern auf einen Totalitarismus zu. Das Private verschwindet, die Macht des Geldes wächst ebenso wie die Ungleichheit, wir kaufen immer mehr und zerstören damit die Grundlage unseres Lebens. Statt die Chance der Freiheit zu nutzen, die historisch hart und bitter erkämpft wurde, werden wir zu Konsum-Zombies, die sich alle Selbstbestimmung durch eine machtbesessene Industrie abnehmen lässt, deren Lieblingswort »smart« ist.
Was heißt das für unsere Gesellschaft? Nach seinem Bestseller ›Selbst denken‹ analysiert Harald Welzer in ›Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit‹, wie die scheinbar unverbundenen Themen von big data über Digitalisierung, Personalisierung, Internet der Dinge, Drohnen bis Klimawandel zusammenhängen. Daraus folgt: Zuschauen ist keine Haltung. Es ist höchste Zeit für Gegenwehr, wenn man die Freiheit erhalten will! Die smarte Diktatur_Leseprobe

 

Die smarte Diktatur

Aus einem Brief von Albert Einstein an einen Rabbi (1950)

„Wie alle Wesen ist der Mensch Teil des Ganzen, das wir „Universum“ nennen, und rein äußerlich betrachtet von Raum und Zeit begrenzt. Er erfährt sich seine Gedanken und Gefühle als etwas, das ihn von den anderen trennt, aber dies ist eine Art optischer Täuschung des Bewusstseins. Diese Täuschung ist wie ein Gefängnis, das unsere eigenen Wünsche und unsere Zuneigung auf eine wenige Menschen beschränkt, mit denen wir näher zu tun haben. Unsere eigentliche Aufgabe besteht darin, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir den Kreis unseres Mitgefühls und unserer Fürsorge auf alle Wesen und die Natur in ihrer ganzen Schönheit gleichermaßen ausdehnen. Auch wenn uns dies nicht vollständig gelingt, so ist doch bereits das Streben nach diesem Ziel ein Teil der Befreiung und die Grundlage für das Erlangen inneren Gleichgewichts.“

Martina Dressel – „Gravitationswellen“

Vom amerikanischen Zukunftsforscher Alvin Toffler stammt das Zitat (von mit ins Deutsche übersetzt):

Die Analphabeten des 21. Jahrhunderts werden nicht die sein, die weder lesen noch schreiben können, sondern jene,
die beim ERlernen, VERlernen oder WIEDERerlernen versagen.

Insofern ist der experimentelle Nachweis von Gravitationswellen, der wie ein Strohfeuer nur kurz in den Medien auftauchte, folgenreicher als die meisten vermuten. Dieses Thema ist keinesfalls nur für Forschungszwecke relevant oder ausschließlich etwas für wissenschaftliche Überflieger, sondern hat für jeden Einzelnen von uns – im besten Sinne – das Potenzial eines Katalysators und Impulsgebers:
1. ERlernen wir, uns von Zeitdruck zu befreien
2. VERlernen wir, was man uns über Raum lehrte
3. WIEDERERlernen wir Informationstechnologien unseres Körpers

Zum Video

Otto Teischel – Von der Entfremdung zur Autonomie in Verbundenheit

Wenn einst für Marx die Religion als „Opium“ galt, mit dem das arbeitende Volk über die realen Klassenunterschiede in der Gesellschaft und seine eigene Ausbeutung hinweggetäuscht und beruhigt werden sollte, bedeutet heutzutage für eine profitorientierte, materialistische Leistungsgesellschaft ein nachdenklicher, schöpferischer einzelner Mensch, der zuerst und zuletzt an sich selbst und seiner eigenen Potentialentfaltung interessiert ist, offenbar eine Bedrohung ihrer Macht, die ausgegrenzt und für krank erklärt werden muss. Von der Entfremdung zur Autonomie
Mehr zum Thema im Forum „Krankheit & Sehnsucht“

Reinhard Hellmann – „Platon und die Akademie“

Einer meiner wirksamsten Vorbilder und Lehrer war der Begründer der Säuglingsforschung Daniel Stern. Einer seiner „Merksätze“ war: Wer keine Vergangenheit hat, der lebt nicht. Als ich die Satzung der Akademie für Potentialentfaltung  nochmals genauer durchlas, fiel mir die Ähnlichkeit mit vielem auf, was ich von dem griechischen Philosophen Platon (ca. 370 v. Chr.) dunkel erinnerte. Platon und die Akademie

Viktor E. Frankl – „Es kommt der Tag, da bist du frei“

 

Auf jeden Einzelnen und auf jeden Tag kommt es an, wenn die Nöte unserer Zeit überwunden werden sollen. Und dazu brauchen wir nicht so sehr neue Programme wie – eine neue Menschlichkeit! Entnommen aus: Viktor E. Frankl „Es kommt der Tag, da bist du frei. Unveröffentlichte Texte und Reden“, Kösel Verlag, München 2015